Gedenken an die Opfer der Repression

Das Gedenken an die Opfer der Repression ist eine der wichtigsten und zugleich schwersten Aufgaben von MEMORIAL. Genau um dieses Ziel zu erreichen, wurde im Jahr 1988 MEMORIAL gegründet.

Innerhalb unseres zehnjährigen Bestehens haben wir eine Menge erreicht, aber mindestens genauso viel steht uns noch bevor.

Unsere Arbeit hate folgende Ziele:

Bereits 1988-89 begannen viele Zeitungen, Listen der Opfer des Repressionen zu veröffentlichen. In dem Maße, wie das öffentliche Interesse an diesem Thema nachließ, wurden auch solche Publikationen immer seltener. Umso wichtiger sind die Gedenkbücher, deren Publikation MEMORIAL unterstützt, — Bücher, die nicht nur die Namen der Opfer enthalten, sondern auch eine kurze Biographie, manchmal sogar ein Foto. Die in den Büchern genannte Antahl von Menschen beläuft sich auf mehrere Hunderttausende. Allein bis zum Tod Stalins wurden über 4 Millionen verurteilt; hinzukommen weitere Millionen Menschen, die aufgrund rein administrativer Anordnungen (Kollektivierung, Zwangsumsiedlung) zu Opfern wurden.

Im Jahre 1988 versprachen wir, alle Opfer ausfindig zu machen. Heute erkennen wir, daß diese Aufgabe eine Jahrhundertaufgabe ist.

Die Ausfindigmachung der Massengräber der Repressionsopfer ist eine ebenso schwierige Aufgabe. Ohne freien Zugang und uneingeschränkte Arbeitsmöglichkeiten in den staatlichen Archiven, insbesondere den Archiven des Ministerium des Innern und des ehemaligen KGB, ist sie nicht zu lösen. Dies Möglichkeit besteht jedoch nicht. Nach einer kurzen Phase Anfang der 1990er Jahre mußte die Arbeit in den Archiven abgebrochen werden. Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Tatsache, daß einige der betreffenden Orte heute nicht zugänlich sind. Das ist der Fall zum Beispiel bei Butowo und der Sowchos Kommunarka.

In den Jahren 1989-1991 sammelte MEMORIAL Geld, das zur Errichtung eines zentralen Denkmals für die Opfer des politischen Repressionen dienen sollte. Abgesehen von den finanziellen Schwierigkeiten herrscht noch immer keine Klarheit darüber, ob ein solches Denkmal überhaupt errichtet werden kann. MEMORIAL hat mehrere Diskussionen zu diesem Thema geführt, zwei Wettbewerbe ausgeschrieben, aber zu dem oben genannten Punkt immer noch keine definitive Antwort erhalten. Oder ist der  Solowjezki-Stein, den MEMORIAL auf dem Lubjanka-Platz niederlegen ließ, bereits ein solches Denkmal?

In den 1990er Jahren wurden in verschiedenen Regionen der ehemaligen UdSSR Denkmäler errichtet.

Die Arbeit der letzten Jahre hat gezeigt, daß eine solche Aufgabe — das Gedenken an die Opfer — die Kräfte einer Organisation allein übersteigt. Zu Erfüllung dieser Aufgabe brauchen wir die Unterstützung der Gesellschaft und natürlich des Staates. Zu unserem Bedauern ist das gegenwärtig nicht der Fall.